Aber kein Telefon-Netz, kein Internet – Kein Logbuchbeitrag

Am Dienstag, den 16.07.2014 war es dann soweit.

Für die Nordsee waren 3-4 Bft vorausgesagt, allerdings zunächst genau aus der Richtung, in die wir wollen. Das sollte aber bei dem großen Seegebiet, was vor uns liegt, kein Problem sein.

Um 09.20 Uhr legen wir in Lemvig ab und fahren erstmal unter Motor in Richtung Thyboron. Im Thyboron Channel wird es nochmal eng, dann kommen uns schon die Wellen der Nordsee entgegen. Noch ein Stück, dann setzen wir Segel. Unseren Kurs können wir nicht anlegen, der Wind kommt direkt von vorn. Wir müssen uns erstmal von der Küste frei kreuzen. Dann geht es entlang der Küste Richtung Süden.

Wir werden etwa eine Woche unterwegs sein, es ist also notwendig, ein Wachsystem einzurichten. Hierzu hatten wir vorher schon viel gelesen, allerdings ist jede Crew anders und jeder muß seine eigenen Erfahrungen machen. Wir entscheiden uns für einen 4-Stunden-Rhytmus.

Um 18.00 Uhr übernehme ich die Wache. Wir essen noch gemeinsam die vorgekochten Nudeln. Wolfgang versucht dann etwas zu schlafen, ich schaue alle 15 min. in die Runde. Viel ist nicht zu sehen. Gegen 20.00 werden wir langsamer. Der Autopilot braucht zu viel Strom, weil er gegen die querlaufende Welle steuern muss.

Um 22.00 löst Wolfgang mich ab. Der Wind wird schwächer und hat gedreht, der Kurs geht immer mehr Richtung Küste. Eine Wende bringt uns auch nicht weiter. Also mit Motor bis es besser wird.

Um 02.00 übernehme ich wieder. Der Motor ist die ganze Zeit gelaufen, ich konnte nicht viel schlafen. Wolfgang bleibt noch an Deck. Der Wind wird stärker, wir setzen die Genua. Aber der Autopilot will nicht mehr. Gegen 04.00 ist es geschafft, der Autopilot steuert nach Wind statt nach Kompass. Wolfgang geht endlich schlafen und ist um 06.00 schon wieder da. Der Wind weht mit 6 Bft aus SW – da wollen wir hin – dazu regnet es kräftig. Nach dem Frühstück ist der Wind wieder weg, der Motor muss helfen.

In ähnlicher Art gestalten sich die gesamten 4 Tage über die Nordsee. Insgesamt fahren wir zuviel mit Motor. So hatten wir uns das nicht gedacht.
In der Nacht zum Sonnabend erreichen wir das Gebiet vor der Englischen Küste, wo viele Bohrinseln stehen, dazu viel Schiffsverkehr. Die Navigation ist hier nicht einfach, besonders bei Nacht.

In der folgenden Nacht ging plötzlich ein Gewitter los.

Das Schiff ließ sich nicht mehr gegen die Welle steuern. Starkregen und stürmische Winde, Wolfgang ist nass bis auf die Haut. Unsere „Nereus“ dreht sich ein paar mal im Kreis, dann konnte Wolfgang sie wenigstens von der Tiefwasserzone der „Großen“ weg steuern. Nach 2 Stunden ist der ganze Spuk vorbei.

Sonntag, 20.07.2014

– wenig Verkehr vor Harwig und der Themsemündung, Sicht ca. 1,5 sm, trübe, leichter Regen, kein Wind. Allerdings sehen wir nichts von der Küste, weil wir uns nahe am Verkehrstrennungsgebiet halten, das weiter draussen liegt.
Zum ersten Mal auf unserer Reise stellen wir heute unsere Uhr eine Stunde zurück.
18.30 – Wir haben einen Gast an Bord, eine Taube wollte sich bei uns ausruhen und sitzt jetzt aufgeplustert hinterm Steuerrad.

Am Abend, gegen 22.45 fahren wir in die Dover-Strait ein. Wegen der schwierigen Navigation und des vielen Schiffs- und Fährverkehrs, gehen wir gemeinsam Wache. Wir hatten schon vorher beobachtet, dass sich viele Schiffe im Verkehrstrennungsgebiet sammeln und dort, wie auf einer Perlenschnur, ihren Weg zurücklegen. Dazu gibt es die Fähren und Schnell-Fähren, die quer dazu fahren. Außerdem gibt es Schiffe, die den Bereich außerhalb nutzen, also den gleichen Bereich, den wir auch befahren. Auf die müssen wir besonders achten. Gegen 01.00 überqueren wir den Eurotunnel und haben damit das enge und verkehrsreiche Gebiet zwischen Dover und Calais geschafft. Der Verkehr wird weniger. Nach einer Stunde sind alle weg und wir ziehen unsere Bahn alleine durch die schwarze Nacht. Gegen 03.00 füllt sich der Schiffsweg wieder.
Am Montag, 21.07.2014 fahren wir über den Nullmeridian, das bedeutet, dass in unseren Positionsangaben an Stelle des E (Ost) jetzt ein W (West) steht. Das wird nun für lange Zeit so bleiben.

In der Nacht ist wieder kein Wind, der Motor arbeitet.

Irgendwann in der Nacht platzt die Warmwasserleitung unter der Spüle. Durch die lange Motorfahrt war das Wasser im Boiler zu heiß geworden. Im Schrank unter der Spüle lagern wir Küchenhandtücher, Geschirrtücher, Putzlappen usw. Alles hat jetzt heiß geduscht. Das müssen wir morgen wieder trocknen!!
Wolfgang hat die Leitung gleich wieder mit einem Stück Gartenschlauch repariert, so dass sich der Schaden in Grenzen hält.
Die folgenden Tage dümpeln wir so dahin. Unsere Batterien haben einen niedrigen Ladezustand, weil der Windgenerator bei dem wenigen Wind nicht arbeitet, gestern musste der Benzingenerator schon beim Kochen helfen. Wir nutzen die Gunst der Stunde. Der Diesel muss jetzt die Batterien laden.
Motor aus, wieder Ruhe. Wolfgang beschäftigt sich nochmal mit der Windfahnen-Steuerung. Sie braucht keinen Strom. Ab jetzt nimmt sie ihre Aufgabe war. Sie braucht aber etwas mehr Wind. So wird das nichts. Doch wieder Autopilot.
So geht das den ganzen Nachmittag. Segeln mit zu wenig Wind, dann Gegenströmung, wieder Motor. Jetzt segeln wir unter Groß am kaum vorhandenen Wind. Die Stömung müsste jetzt kippen, so dass sie unsere Fahrt unterstützt.

Do., 24.07.2014

Wir dümpeln immer noch unter Groß. Der Hauch von Wind kommt fast genau von hinten. Wolfgang hat heute Morgen noch an der Windfahnen-Steuerung gebastelt, aber so richtig geht sie immer noch nicht. Theoretisch sind es noch 12 sm bis zum Ziel. Bei dem Wind kann das aber dauern… Also doch wieder Motor an, Segel runter, Ansteuerung Helford River. Um 14.30 machen wir fest an einer Mooring in der Durgan Bay im Helford River.

Wir waren 8 Tage, 5 Stunden und 10 Minuten auf See.

Mit dem Wach-Rhytmus kamen wir ganz gut zurecht. Das Bordleben hat sich eingespielt. Die 3 Nächte auf der Nordsee und in der Dover-Strait haben allerdings für einen kräftigen Schlafmangel gesorgt.
Nachdem sich die Anspannung der Fahrt etwas gelöst hat, fallen wir erstmal für mehr als 12 Stunden in die Kojen. Kein Wecker holt uns nach 4 Stunden wieder raus!

Wir wachen bei strahlendem Sonnenschein auf. Die Umgebung läßt Urlaubsstimmung aufkommen. Sattes Grün zu beiden Seiten der Flußmündung, hügelige Landschaft und Häuser, die schon fast südländisch anmuten. Hier können wir uns ein paar Tage erholen. Am Nachmittag bauen wir unser Dinghi auf und starten zu einer Erkundungsfahrt. Unser Dieselvorrat ist durch die vielen Meilen unter Motor bedenklich geschrumpft. Wir suchen die auf unserer Karte und in Reiseberichten beschriebene Tankstelle, können aber keine finden. Schade! So müssen wir doch noch in den Hafen von Falmouth fahren. Das hat auch den Vorteil, dass wir vielleicht diesen Bericht senden können. Denn hier haben wir nicht mal ein Telefon-Netz.