Von England nach Spanien

Von England nach Spanien

… die gefürchtete Biscaya

Nachdem wir in den erholsamen Tagen im Helford River unsere Energiespeicher aufgefüllt hatten, war unsere Nereus an der Reihe. Wir fuhren in die Falmouth Yacht Marina und fanden die Tankstelle tatsächlich genau da, wo sie in der Karte eingezeichnet war. Beim Tanken fragten wir den Hafenmeister, ob er für eine Nacht einen Liegeplatz für uns hat, weil wir gerne noch etwas einkaufen würden, bevor wir nach Spanien segeln. Nach längerem Überlegen machte er es möglich. Die Box war zwar etwas zu kurz, aber wir konnten auf direktem Weg an Land, konnten duschen und gönnten uns im Hafenrestaurant ein leckeres Essen.

Am Donnerstag, den 31. Juli gegen 11.00 legen wir ab.

Natürlich haben wir Wetterdaten abgerufen und gesehen, dass der Wind in den nächsten Tagen aus westlichen Richtungen kommt, später sollte er aber auf nördliche Richtungen drehen und das würde passen.
Außerdem waren wir ungeduldig. Wir wollten endlich los und uns nicht nochmal im Helford River an eine Mooring hängen.
Eigentlich sollte es zuerst aus dem Englischen Kanal ein ganzes Stück nach SW gehen, um später in südlicher Richtung die Biscaya mit Ziel La Coruna zu überqueren.
Weil wir aber unseren geplanten Kurs erstmal nicht anlegen können, segeln wir zunächst in Richtung Süden. Trotzdem kommen wir nur langsam voran. Die Strömung bremst mal wieder.
Die Windfahnensteuerung läuft jetzt im Probebetrieb, es scheint zu klappen.
Der Wach-Rhytmus spielt sich wieder ein.

2. Tag: Freitag, 01.08.2014

04.00
Es regnet, alle Schiffe sind weit weg.
06.00
Wachwechsel. Jetzt müssen wir eine Wende machen, sonst kommen wir zu dicht ans VTG.
Der Kurs ist nicht optimal, aber es geht jetzt wenigstens nach Westen mit ca. 2 kn am Wind!!
Durch die dauernden ruppigen am-Wind-Kurse habe ich mit leichter Seekrankheit zu tun. Es regnet wie aus Kannen. Am Mast kommt das Wasser auch nach innen, obwohl Wolfgang das gerade erst abgedichtet hat.
20.00
Der Wind hat gedreht, können jetzt mit halbem Wind fahren. Das geht aber nicht lange, dann werden wir wieder nach Norden getrieben, eigentlich soll es weiter westwärts gehen!

Am Sonnabend gegen 01.30 reichts. Wir machen eine Wende, fahren jetzt süd-westlich, immer noch am Wind. Wir haben bis jetzt in etwas mehr als 1,5 Tagen 148 sm zurückgelegt. Unserem Ziel sind wir allerdings nur 55 sm nähergekommen. Das ist viel zu wenig.
Gegen Morgen wird wenigstens das Wetter besser, die Sonne scheint, mir ist immer noch schlecht.
Gegen 15.00 drehen wir genau auf Süd und können wieder mit halbem Wind fahren, das ist etwas angenehmer.

4. Tag: Sonntag, 03.08.2014

12.00
Jetzt sind wir wirklich auf der Biscaya. Die Zeit für diesen Weg hatten wir vollkommen unterschätzt. Das Wasser ist jetzt relativ glatt. So kann es bleiben. Sogar der am-Wind-Kurs läuft bei diesen Bedingungen einigermaßen ruhig. Wir sehen die ersten Delfine und können sie sogar filmen. 
Der Wind hat wieder mal gedreht und bringt uns jetzt nach SO. Nachmittag müssen wir sowieso eine Wende machen, wir lassen jetzt erstmal alles so laufen….

Wir kommen einfach nicht weit genug nach Westen, um nach La Coruna segeln zu können. Auch mit Motor kommen wir gegen die Welle nicht in diese Richtung.
So geht das die nächsten Tage weiter. Immer wieder hoffen wir auf einen etwas bequemeren Kurs, geht aber nicht. Um wenigstens etwas an Höhe zu gewinnen, müssen wir hart an den Wind mit entsprechender Schräglage. Jede Bewegung, selbst das Sitzen ist anstrengend. Diese Zeilen kann ich nur mit großer Mühe schreiben.
Weil wir nun viel mehr Zeit gebraucht haben, als geplant war, stimmt natürlich auch die Wettervorhersage nicht mehr mit den entsprechenden Positionen überein. Der halbwegs passende Wind war also längst weg, als wir in der Biscaya ankamen. Die neuen Wetterdaten zeigen, dass wir zu allem Überfluß auch noch Schitt-Wetter mit Wind bis 30 kn (7 Bft) natürlich aus der falschen Richtung bekommen. Allerdings ist die Luft etwas milder geworden, so dass wir das dicke Ölzeug gegen leichte Wetterkleidung ausgetauscht haben

7. Tag : Mittwoch, 06.08.2014

Der vorhergesagte Wind ist da. Wir versuchen, mit der Fock voran zu kommern, laufen aber wieder nach SO.
Gegen 13.30 (UTC +1) übernehme ich wieder die Wache.
Wolfgang hat sich gerade schlafen gelegt. Durch den Segelwechsel und den starken Wind war er viel zu lange aktiv. Ich bin gerade dabei, mir etwas zum Essen vorzubereiten, als eine unverhofft große Welle die Nereus zur Seite reisst und mich durch die offene Tür in die Nachbar-Kabine befördert, wo ich mit dem Rücken gegen den Schrank pralle. Ein höllischer Schmerz. Ich komme nicht wieder hoch. Wolfgang muß jetzt alles alleine machen.

Später ist der Wind weg, die Welle bleibt. Auch mit Motor ist es ruppig und uneffektiv gegen die Welle zu fahren. Wir brauchen so schnell, wie möglich einen Hafen. Wolfgang entscheidet sich für Gijon, statt wie geplant La Coruna. Das würde mehr als einen Tag länger dauern. In dieser Situation nicht vertretbar. Der Hafen in Gijon könnte zwar etwas zu flach sein, aber wir kommen bei Hochwasser an, also kein Problem.

Am Donnerstag, den 07.08.2014

kommen wir endlich gegen 16.30 (LT) nach mehr als 7 Tagen auf See in Gijon an.

Dann geht alles ziemlich schnell. Marineros helfen beim Festmachen. Nach dem Anmelden im Hafen, fahren wir sofort in die Notaufnahme eines Krankenhauses. Ein angebrochener Brustwirbel wird festgestellt. Nach insgesamt 1875 sm müssen wir wohl erstmal eine Pause einlegen.

Nachdem ich ein Stützkorsett bekommen habe, kann ich besser laufen und wir nutzen die Zeit für kleine Spaziergänge durch die Teile der Stadt, die direkt am Hafen liegen.

Später erfahre ich, dass die Verletzung noch schlimmer ist, als ursprünglich angenommen. Die Pause wird einige Monate dauern …

Wir wissen also noch nicht, wann es weitergeht.

Wenn es Neuigkeiten gibt, werden wir uns an dieser Stelle zurückmelden.