Herbst01683

Man nennt die Kanaren zwar ‚Die Inseln des ewigen Frühlings‘, aber im November hängen zumindest hier auf La Palma die Wolken recht mystisch in den Bergen bei angenehmen Temeraturen um die 20°C öfter auch darüber –

Es ist Herbst geworden auf La Palma!

Bei diesen Temperaturen hat man auch wieder Lust auf mehr Aktivitäten.

Weil die Bananen hier allgegenwärtig sind, sie wachsen fast auf jeder einigermassen bebaubaren Fläche, stand das

Bananenmuseum in Tazacorte

ganz oben auf unserer Wunschliste. Das hübsche Haus im unteren Teil des Ortes war schnell gefunden, der Eintrittspreis mit 2 Euro sehr günstig. Die Wände waren voll gehängt mit großen Tafeln, auf denen in spanischer und englischer Sprache viel über Bananen, Geschichte, Anbau, Schädlinge und ihre Bekämpfung usw. geschrieben war. So erfuhren wir u.a., dass vor dem Pflanzen der Boden in bestimmten Schichten hinter den grauen Mauern vorbereitet wird. Die Mauer bietet Schutz vor der Austrocknung der Pflanzen durch den Wind. In besonders gefährdeten Lagen werden noch kräftige Folien kunstvoll über ganze Flächen geknüpft, die zusätzlich Schutz vor der Gischt bieten, die bei starker Brandung bis weit nach oben spritzt. Diese Folien prägen dann auf großen Teilen der Insel das Erscheinungsbild.

Gleich in der Nähe sahen wir uns auch die Waschhäuser des Ortes an. Allerdings sind sie nur von aussen zu besichtigen, aber hübsch anzusehen. Hier haben viele Frauen noch bis vor weniger als 20 Jahren ihre Wäsche gewaschen.
Wir schlenderten weiter durch diesen gepflegten alten Teil des Ortes, sahen kleine Plazas, die zum Verweilen einladen, kleine Gassen und Häuser im palmerischen Stil.

Der Charco Azul im Herbst

Dieses Naturschwimmbecken im Norden der Insel hatten wir Anfang Oktober schon einmal besucht. Ich schrieb im entsprechenden Beitrag „Durch die Abtrennung vom Meer kann man hier gefahrlos baden.“
Gut einen Monat später ist das Schwimm-Bad wegen Bauarbeiten geschlossen. Auch sonst könnte hier niemand mehr gefahrlos baden, wie die folgenden Bilder eindrucksvoll zeigen.

Ein paar Schritte weiter befindet sich das

Informationszentrum des Zuckerrohrs und des Rums.

Es ist keine Erntezeit, deshalb wird jetzt kein Rum produziert. Wir durften uns für ein kleines Eintrittsgeld den Raum ansehen, in dem im Mai und Juni produziert wird. Wieder gab es nur große Tafeln an den Wänden über die Geschichte und den Anbau des Zuckerrohrs, der früheren Monokultur der Insel. Den größten Raum nahm die Darstellung der Stammbäume der „Zucker-Familien“ ein. Die Produktionsstrecke wurde nicht erklärt.
Anschliessend wurden wir gebeten, unbedingt einige Sorten zu verkosten und …
naürlich reichlich einzukaufen. Das war wohl das Hauptanliegen dieser Einrichtung.

Die Inselhauptstadt Santa Cruz de La Palma

ist eine beschauliche Kleinstadt mit etwa 16 000 Einwohnern. Auch hier hat uns besonders die Altstadt mit ihren verträumten Gassen und verschiedenen kleinen Läden gefallen. In einem der zahlreichen Strassen-Cafés ließen wir uns bei einem Café con Leche und einem Cortado und leckerem Gebäck nieder und beobachteten das bunte Treiben um uns.
So gestärkt besuchten wir das Marine Museum, das nicht weit von hier, im Norden der Altstadt zu finden ist.
Schon von weitem sieht man das große Schiff, ein Nachbau der ‚Santa Maria‘, mit der Kolumbus 1492 den amerikanischen Kontinent erreichte. In diesem Schiff ist das Museum untergebracht. Es erinnert an die Seefahrt und die Auswanderer, durch die die Geschichte der Insel maßgeblich geprägt wurde. In der Ausstellung gibt es auch viel zu lesen, aber man kann auch originale Dokumente und technische Geräte der damaligen Seefahrt sowie Modelle von Schiffen, die an Kanarischen Küsten gebaut wurden, bestaunen.
Bei einer weiteren Attraktion steht das Schiff im Mittelpunkt des Geschehens. Es ist die auf der Insel alle 5 Jahre stattfindende Festlichkeit ‚Diálogo entre El Castillo y La Nave‘ (Dialog zwischen der gegenüber liegenden Burg und dem Schiff). Ein Video von dieser prunkvollen Veranstaltung kann man sich im Museum ansehen.

Höhlen und Barrancos im NW

– eine Fahrt mit dem Ausflugsschiff
Ja, ihr lest richtig. Wir sind mit einem der Ausflugsschiffe, die hier im Hafen starten, gefahren. Diese Fahrt hätten wir nämlich mit unserem Schiff nicht machen können. Wir fuhren dicht an der Küste entlang, die sehr sehenswert ist. Der Kapitän stand ganz oben und weit vorn, damit er den Grund mit immer wieder dicht unter der Wasseroberfläche liegenden Felsen im Blick hatte. Gekonnt steuerte er das Boot rückwärts in eine Höhle, die bei Sonnenuntergang gold-rot schimmern soll. Jetzt war aber ein bewölkter Vormittag, also nichts mit gold-rot, aber trotzdem sehr beeindruckend. In den folgenden Barrancos hatten die Palmeros an versteckten Stränden Freizeit-Häuschen gebaut. Fast alle sind nur mit dem Boot erreichbar.

Weiter im Norden ging es ein Stück auf das mehr hinaus, wo die Delfine ihren Auftritt hatten. Wir sind hier auch schon gesegelt und sahen nichts!

Alles in Allem ein gelungener Ausflug.

Spleissen

Neben den üblichen Arbeiten, die an Bord immer wieder anfallen, musste Wolfgang ein neues Handwerk lernen, das Spleissen. Das war gar nicht so einfach. Er musste mehrmals üben, bevor er sich an die ‚echte‘ Leine wagte, um aus einer normalen Leine mit zwei Enden eine Endlosleine ohne Knoten zu machen. Das war jetzt unbedingt für den Gennacker nötig, weil die mitgelieferte Endlosleine zu kurz war.

Jetzt im Herbst / Winter regnet es öfter mal und auf dieser Insel auch kräftig.
So war der letzte Sonnabend – ein Regentag
… und was für einer. Seit wir die Biskaya überquerten, haben wir so etwas nicht mehr erlebt. Morgens um 7.00 Uhr werden wir mit Gewitter und Starkregen geweckt. Nach etwa einer Stunde zieht sich das Gewitter zurück, der Regen bleibt mehr oder weniger stark und mit kurzen Unterbrechungen den ganzen Tag. Seit einigen Tagen hat der Wind gedreht und kommt jetzt aus südlichen Richtungen. Jetzt kommt auch der Schwell aus dieser einzigen Richtung, aus der der Hafen wenig geschützt ist. Alle Boote schaukeln munter hin und her. Es ist wieder einmal anstrengend, sich auf dem Boot zu bewegen.
An den folgenden Tagen lässt der Schwell wieder nach, der Regen kömmt jetzt öfter. Er sorgt für das üppige Grün auf der Insel. Es ist immer noch angenehm warm und wenn die Regenwolken sich verzogen haben, scheint wieder die Sonne.

Die Entscheidung – mal wieder eine Planänderung

Schon seit September, als die schlimmen Stürme in der Karibik so viel zerstört haben, setzten wir an unser Vorhaben Atlantiküberquerung für dieses Jahr ein Fragezeichen. Wir versuchen immer wieder im Internet Berichte über den aktuellen Stand in den betroffenen Gebieten zu finden. Hinzu gesellten sich noch weitere Ereignisse, die für ein weiteres Jahr auf den Kanaren sprechen. Irgendwann waren wir uns einig, wir verschieben die Karibik um ein Jahr. Deshalb und weil es hier sehr schön ist, sind wir auf La Palma länger geblieben als ursprünglich geplant, denn eigentlich wollten wir schon auf den Kapverden sein.
Stattdessen segeln wir nächste Woche, so der Wind will, nochmal nach La Gomera. Diese kleine Insel war ja im Sommer zu kurz gekommen. Das wollen wir nun nachholen. Im Januar soll die Reise wieder nach Lanzarote gehen, denn dort bekommen wir bestimmte Teile für’s Boot besser als hier. Ausserdem brauchen wir wahrscheinlich die Hilfe der Werft ‚unseres Vertrauens‘.
Nach dieser Runde durch die Kanaren können wir ja nocheinmal Anlauf in die Karibik nehmen.

Herbst auf La Palma