Segelyacht Nereus | 05.07.2014: Kattegat Segelyacht Nereus | 05.07.2014: Kattegat

Nach 2 Tagen im Hafen klingt die Wettervorhersage mit Wind 3-4 Bft aus SO – O, das passt.
Wir fahren heute erst Nachmittag los, wollen unsere erste Nachtfahrt wagen und hoffen morgen Vormittag in Hals (Limfjord) einen Platz im Hafen zu finden.
Die enge Ausfahrt aus dem Isefjord nehmen wir unter Motor. Dann setzen wir die Genua, aber jetzt ist der Wind weg. Wir dümpeln nur so dahin.

Wegen der Windstille sammeln sich Fliegen, Hummeln und andere Insekten auf unserem Boot. Aus weiß wird langsam schwarz. Extrem unangenehm, weil auch wir als Landeplatz benutzt werden.

Das hat wohl heute keinen Sinn mehr. Das Kattegatt ist glatt, wie ein Spiegel. Gestern hat der Wind noch geheult und heute das. Dabei waren 3-4 Bft. vorausgesagt, das hätte vollkommen gereicht. Wir wollen nicht bis zum Limfjord (ca. 80 sm) motoren. Also geht es zurück zum Isefjord. Der Hafen ist aber voll, also werden wir wieder vor Anker gehen. Kaum hat sich der Anker eingegraben, frischt der Wind wieder auf – welche Ironie!

Am nächsten Tag

(Sa. 05.06.14) wollen wir es erneut versuchen die Wettervorhersage klingt gut, mal sehen, wie die Realität aussieht?!
Gegen 19.00 weht der Wind mit 23 kn ganz beachtlich. Das Schiff rollt in der Welle. Wir rauschen mit 7 Knoten dahin. Vor der Nacht wollten wir sowieso die Segelfläche verkleinern, also tun wir es jetzt. Mit 4 kn geht es weiter.

Mit der Dämmerung um ca. 22.30 geht der Wind, wir dümpeln nur noch mit ca 2 kn dahin. Ist uns aber ganz recht, weil wir mit der bisherigen Geschwindigkeit schon sehr früh am Morgen den Hafen in Hals erreicht hätten. Der späte Vormittag reicht aber aus.

Bei unserer ersten Nachtfahrt wollen wir während der Dunkelheit, das sind hier nur ca. 4 Stunden, beide an Deck bleiben. Vorher gelingt es uns nicht, zu schlafen. Nach 3.00 gehen wir abwechselnd schlafen. Danach gibt es Frühstück mit frischem Kaffee, das tut gut.
Der Wind schläft allerdings noch bis zum Mittag, dann geht es wieder vorwärts.
Gegen 15.00 haben wir die Ansteuerungstonne für den Limfjord erreicht. Der Wind steht gut, wir können noch ein Stück segeln. Gegen 16.30 geht es mit Motor weiter.
Um 17.00 erreichen wir den Hafen in Hals, unser heutiges Ziel. Der Hafen ist aber völlig überfüllt. Was ist hier los? Wir haben schon am Freitag in Rörvig gemerkt, dass der Hafen voll wurde. Haben jetzt die Ferien begonnen? Und das wahrscheinlich in ganz Skandinavien auf einmal. Es sind auch einige schwedische Schiffe hier und unterwegs sehen wir noch Norweger und Finnen.

Also fahren wir weiter. Im flußartigen Ford fahren wir einige Mal hin und her, bis wir einen einigermaßen geeigneten Platz gefunden haben. Der Anker fällt um 19.45 auf 5,5 m Tiefe.
Mit dieser Etappe hat auch die Fahrt bei Dunkelheit für uns ihren Schrecken verloren. Sicherlich waren die Bedingungen recht harmlos, aber man muß ja mal anfangen.
Viel Zeit zum Ausruhen bleibt auf diesem Ankerplatz nicht. Am Montag geht es weiter. Wir wollen durch den geschützten Limfjord – die nördliche Alternative zum Nord-Ostsee-Kanal – zur Nordsee fahren.

Das flussartige enge Fahrwasser muß per Motor und Handsteuerung gefahren werden.
An einem Bogen haben wir bei Position 57° 05′ N / 10° 00′ E den nördlichsten Punkt unserer Reise erreicht. Wir freuen uns auf den Süden. Hier haben wir Temperaturen, die den Sommer nicht einmal ahnen lassen.

Segelyacht Nereus | 08.07.2014: Aggersund-Bruecke
Gegen 15.20 sind wir in Aalborg an der Klappbrücke. Wir geben das im Handbuch beschriebene Signal, die Brücke soll dann für Sportboote geöffnet werden. Das interessiert hier aber niemanden. So werden es immer mehr Segler, die vor der Brücke ihre Kreise ziehen, weil es an geeigneten Anlegemöglichkeiten fehlt. Um 17.00 sind wir durch. Die dahinterliegende Eisenbahnbrücke öffnet wenig später.

Das Fahrwasser zieht sich weiter meanderartig durch das sonst sehr flache Wasser. Wir müssen uns genau an den betonnten Weg halten, daneben fällt die Wassertiefe schnell unter 2 m. Das ist für unsere Nereus zu wenig. Auch hier gibt es keine Häfen und Ankerplätze, die tief genug für uns sind.
Gegen 21.20 sind wir an der Aggersund Brücke, die tatsächlich für uns öffnet.
Jetzt nochmal für 5,5 sm Konzentration auf den betonnten Weg, wir stehen beide an Deck. Die Tonnen sind bei der untergehenden Sonne schlecht zu sehen, wir dürfen keine verpassen. Dann sind wir endlich in einem „Tiefwassergebiet“ mit ca. 6 – 7 m Wassertiefe, von wo wir direkt den für heute gewählten Ankerplatz ansteuern können.

Um 23.00 fällt der Anker nahe dem Ufer der Insel Livö auf 5 m Tiefe beim allerletzten Tageslicht. Wir sind immer wieder beeindruckt, wie aus Norden der Himmel auch in der Nacht leuchtet.